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 Es sind Frauen, die slash lesen und schreiben, kommentieren, zeichnen und zu Filmen zusammen schneiden. Oft genug lese ich als Begründung für slash „Es macht Spaß, es zu lesen. Zwei knackige Jungs miteinander, welche nichtlesbische Frau würde da wegsehen? Es sind unterhaltsame Geschichten, ein hübsches, kleines Hobby. Aber das muss ja nicht jeder wissen.“
 
Wir wissen, dass es uns Spaß macht. Aber halten wir es für normal? Wie definieren wir „normal“? Ist das „Normale“ nicht das, was wir ohne Bedenken mit anderen teilen, seien es enge Freunde oder nur Arbeitskollegen? Keine Frau wird Probleme haben, im Nebensatz zu erwähnen, dass sie verheiratet ist oder ihre Eltern in Ostfriesland leben, auch wenn das Gegenüber nur flüchtig bekannt ist. Aber welche Frau erzählt, dass sie gerne jeden Abend zwei Stunden lang slash liest oder sieht? Und wem erzählt sie es? Ein oder zwei guten Freundinnen? Einem Partner? Den Arbeitskollegen? 
 
M/M-slash weicht ab von der Norm, ist etwas, bei dem viele Frauen seltsam angesehen würden, wenn sie davon erzählten. Das hat damit zu tun, dass eine Frau damit ihrer Umgebung gegenüber zugäbe, sich sehr regelmäßig mit sexuell orientierten Geschichten/Filmen zu beschäftigen, - so dass der Partner ins Grübeln käme, woran sie denkt, wenn sie mit ihm im Bett ist, und der Kollege überlegt, warum sie so ein leises Lächeln im Gesicht hat, während sie stupide 30 Kopien macht. Männer stellen sich die weiblichen Gedanken an Sexualität gerne mit einer Kerze und romantischer Musik vor, weniger in Richtung der Frage, ob Waffenöl beim Analverkehr geeignet ist.
 
Die meisten slash-Fans werden in einer stillen Stunde zugeben, dass es auch einfach ein leckeres Stück Körper ist, das wir gerne ansehen – nicht umsonst gibt es ein Avatar, bei dem Starskys Hintern in Großaufnahme zu sehen ist. Das macht uns nicht unbedingt besser als viele Männer, aber wer sagt, dass Frauen besser sind?
 
Meist sind die slash-Helden Polizisten, Agenten, Cowboys, Astronauten, also der Inbegriff der "klassischen" Männlichkeit. Und Sexualität zwischen hetero geprägten Männern bricht genau dieses Bild auf, macht die Rollen durchlässiger, erlaubt mehr Facetten. 
Bei einer gleichgeschlechtlichen Beziehung gibt es keine gesellschaftlich erwarteten Rollen mehr, nichts ist vorgegeben, jeder von beiden hat Stärke und Schwäche in sich, Hingabe und Eroberung. Es ist eine Erweiterung des Mann-seins, des Frau-seins, hin zu einem Auskosten so vieler möglicher Facetten des menschlichen Verhaltens. 
 
Das Interesse am M/M-slash hat etwas zu tun mit diesem Aufbrechen der klassischen Geschlechtsidentitäten, mit einer Darstellung der möglichen Facetten eines Menschen. Aber unsere westeuropäische Gesellschaft ist nicht so, dass wir frei aufwachsen, ungeprägt, offen für Alles. Wir bekommen als Kinder Werte vermittelt (wenn wir Glück haben), aber damit eben auch einen Rahmen, eine Grenze. Und so oft die Grenze gut ist, so sehr kann sie auch bei Charaktereigenschaften, die einem Geschlecht fest zugewiesen werden, einschränken. 
 
Und die Erweiterung dieser Grenze, diese Ausdehnung zieht an, kann faszinieren - insbesondere der Übergang. Gut geschriebene slash-Geschichten haben etwas Schwebendes im Übergang von Freundschaft zu Liebe, von Sehnsucht, die ganz vorsichtig die Hand ausstreckt, von Angst, von Schmerz, von Verspieltheit, von Seligkeit. Menschlich eben, nicht männlich oder weiblich.
 
Und warum sind wir Frauen die Fans? Sind wir Frauen unzufriedener als andere Frauen mit einer klassischen Weiblichkeit, brauchen stattdessen mehr Facetten für unser Leben? Oder ist es stattdessen ein „Ersatzleben“ für uns, weil wir uns nicht trauen, unsere Stärke ausreichend genug im realen Leben zu leben? Oder ist Heterosexualität zu wenig für slash-Anhängerinnen? Sehr lästige Fragen, finde ich. 
 
Wenn wir noch eine andere Grenze bei diesem Thema überdenken wollen: Menschen, die an Wiedergeburt glauben, gehen davon aus, dass eine Änderung des Geschlechts in den verschiedenen Leben eines Menschen möglich ist. Heißt das wohlmöglich, wir wären in früheren Leben schwule Männer gewesen? 
 
Nein, ich weiß keine Antworten. Aber mir fallen viele Fragen ein.
 

Comments

( 20 comments — Leave a comment )
firlefanzine
Mar. 4th, 2010 09:12 pm (UTC)
Grübel... Wie bin ich zum Slash gekommen? Warum..., weshalb...
Schäme ich mich dafür? Eigentlich nicht, aber wann bekommt man schon die Gelegenheit zu erklären?

Werde noch genauer darüber nachdenken!

Vorab möchte ich aber einmal bemerken, daß jeder Mann glücklich sein sollte, wenn seine Frau Slash liest!

- denn welche Frau, denkt sich sonst so in die Psyche von Männern ein? (oder was sie dafür hält...)
potztausend
Mar. 4th, 2010 11:01 pm (UTC)
Ist ja wirklich die Frage, ob wir uns in die real existierende männliche Psyche eindenken, oder sie uns nur in den slash-Geschichten hübsch zurecht drehen.... in jedem Fall ist es für mich kein Zufall, dass es fast immer nur Frauen sind, die an slash interessiert sind und im Internet oder Fanzines aktiv sind. Da steckt etwas dahinter, und darüber denke ich immer mal wieder nach. Natürlich nur, wenn ich gerade Zeit habe, zwischen dem Lesen der vielen Geschichten *gg*.
heliophile_oxon
Mar. 8th, 2010 04:05 pm (UTC)
Hi, potztausend!
Damn, this is so frustrating! I understand a tiny bit of this, just barely enough to know that I wish I could read it properly - but can't (or at least not without spending at least 10 hours on it, with a dictionary! *g*). For what it's worth, one of the attractions for me is the exploration of the possibility, at least, of equality in a relationship (together with the obvious; my own preference happens to be for good-looking blokes ... *g*) - but sadly my German isn't even good enough to be sure whether or not you mentioned this aspect :(

Anyway, I really wanted to thank you for reccing my fic on the Reading Room last week - I was totally thrilled, and it's really interesting to see any comments about what doesn't work for some people as well as what does! (and by total coincidence, it just happened to be the RR nearest my birthday so you've given me the nicest birthday present ever! Danke sehr!)
potztausend
Mar. 9th, 2010 12:12 am (UTC)
Re: Hi, potztausend!
Hallo heliophile. I said to Firle it is no accident that nearly all slash readers / writers /vidders are women. And in my post I thought about the reasons - I had many questions but no answers.
Perhaps I translate my post in english - I am able to read english stories but writing comments is harder and the translation of my text will be punishment für me :).

I didn't know your birthday but I am glad about this coincidence.
(Anonymous)
Mar. 29th, 2010 04:58 pm (UTC)
Noch mehr Fragen
Was ist normal, Kinsey hat es in etwa so formuliert:" Alles was keinem Anderem Schaden zufügt ist normal." Wobei ich "normal" lieber durch "gesund" oder "in Ordnung" ersetzen würde. Sex ist ja eine der legalen Möglichkeiten dem Alltag und seinen Normen zu entfliehen. Hier dürfte der Grund liegen, warum Sex in allen Gesellschaftsformen einem Reglement unterliegt, warum uns Normvorstellungen dazu vermittelt werden. Sehr vereinfacht ausgedrückt liegt die Angst vor dem "Verfall der Sitten" dahinter, von dem geglaubt wird, dass ihm der Zerfall der gesellschaftlichen Werte und Funktion auf dem Fuße folgt.
Sexualität ist immer eine Grenzerfahrung hier geben wir die Kontrolle auf, das ist normal, das ist wünschenswert, auf welche Art wir das tun ist individuell.
Ist nicht in der Sexualität so vieles individuell, dass sich kaum eine Frau "normal" vorkommt? R.
P.S: Wenn Du magst können wir Deinen Text gemeinsam übersetzen.
potztausend
Mar. 29th, 2010 09:13 pm (UTC)
Re: Noch mehr Fragen
Hallo R. - bei "gesund" denke ich automatisch an die Erfüllung von gesellschaftlichen Normvorstellungen, obwohl Sex vom medizinischen Standpunkt aus wohl tatsächlich sehr förderlich für die Gesundheit sein soll :). Ja, das ist eine gute Idee, mit dem gemeinsamen Übersetzen. Vielleicht aber nicht unbedingt in einem Restaurant - wenn wir z.B. gerade an der Stelle mit dem Waffenöl sind *gg*. Liebe Grüße!
smirra
Apr. 30th, 2010 07:49 pm (UTC)
Sehr interessant deine Überlegungen. Vor einiger Zeit habe ich darüber auch nachgedacht und den Post noch mal gepostet. (Ich kann es Dir auch noch mal in deutsch schreiben, das ist besser zu beschreiben/Verstehen.
Wir haben jedenfalls ganz ähnliche Schlüsse gezogen!

"Das hat damit zu tun, dass eine Frau damit ihrer Umgebung gegenüber zugäbe, sich sehr regelmäßig mit sexuell orientierten Geschichten/Filmen zu beschäftigen, - so dass der Partner ins Grübeln käme, woran sie denkt, wenn sie mit ihm im Bett ist, und der Kollege überlegt, warum sie so ein leises Lächeln im Gesicht hat, während sie stupide 30 Kopien macht."
Bei Männern wäre das keine neue Erkenntnis.

"Männer stellen sich die weiblichen Gedanken an Sexualität gerne mit einer Kerze und romantischer Musik vor, weniger in Richtung der Frage, ob Waffenöl beim Analverkehr geeignet ist."
So wird es immer noch dargestellt.

"Das macht uns nicht unbedingt besser als viele Männer, aber wer sagt, dass Frauen besser sind?"
Wer weiß ob das jemals gestimmt hat?
potztausend
May. 1st, 2010 03:17 pm (UTC)
Es ist halt immer noch nicht das Gleiche, wenn Frauen und Männer das Gleiche tun oder denken - in manchen Dingen inzwischen schon, aber beim Thema Sex mit Sicherheit nicht. Nicht umsonst wird eine Frau gerne "Schlampe" genannt, wenn sie mit etlichen Männern schläft, während ein Mann dann "Playboy" heißt...
Übrigens las ich diesen Text bei der deutschen SH-Con voriges Jahr in Kassel, und alle waren sehr leise. Nur als die Stelle mit dem Waffenöl kam, gab es ein lautes Gebrülle *g*.

Jetzt geh ich mal Deinen Text lesen.
smirra
May. 1st, 2010 04:19 pm (UTC)
"Nicht umsonst wird eine Frau gerne "Schlampe" genannt, wenn sie mit etlichen Männern schläft, während ein Mann dann "Playboy" heißt... "

Ja genau.
Kann ich mir denken, dass es ruhig war, darauf war wahrscheinlich keiner so recht gefasst. Eigentlich schade. Aber so genau einer Selbstuntersuchung unterziehen will sich dann doch wieder keiner. Ich persönlich finde es interessant zu wissen warum ich was mache.

Das hier war der ursprüngliche etwas längere Text vor der Übersetzung. Irgendwie haben sich meine Gedanken da ausgeweitet zum Thema Frauenbild/Emanzipation. Lies sich irgendwie nicht trennen.


Slash - Spielplatz für erwachsene Mädchen

Viele slasher- viele Gründe slash zu lieben: Jeder slasher hat seine eigenen Gründe slash zu lesen und zu lieben. Es gibt viele Gründe und Motive und ich glaube einige überschneiden sich bei vielen von ihnen. Mal sind es diese mal vielleicht andere, so entsteht dann eine große wenn auch nicht immer ganz einige Community.

Unter uns

Unter uns könne wir's ja ruhig sagen: was? Die Wahrheiten die sich mit Frauen immer noch schlecht verkaufen lassen. Das liegt an der konservativen Gesellschaft und die liegt in der Natur der Natur. Wenn das mal heraus käme dass Frauen von der gleichen Triebhaftigkeit der Männer geschlagen sind und oft genug auch nur an das eine denken, dann würden Männer das abschreckend finden. Warum? Na die wäre mir ja eine schöne untreue Partnerin und schließlich soll die ja meinen Nachwuchs großziehen. Andererseits hat die Natur das so gewollt, wie soll die Fortpflanzung denn sonst funktionieren wenn's nicht so wäre! Die Natur hat ihre Escape-Klausel bereits selber eingebaut.
Also werden wir das schön für uns behalten in diesem garantiert 100%ig (hetero) männerfreien Raum. Hier können wir's ruhig sagen, was sowieso jede weiß. Und wie gut das tut!


Ups! I did it again!

Aber selbst unter uns haben wir ein Problem damit: eine Frau die Sexualität nur um der Sexualität lebt und genießt und ansieht, ist eben eine Schlampe. (Ein Mann dagegen ein Held der damit prahlen kann.) Wer will das schon sein oder darüber etwas lesen. Wenn wir aber die Rollen tauschen und uns mal vorstellen wir sind ein Kerl, dann können wir mal alles rauslassen und ausleben was wir schon immer über Sex phantasieren, lesen, und schreiben wollten. Ein verantwortungsfreier Phantasieraum, loslassen der ständig präsenten Verantwortung die unsere Fruchtbarkeit uns auferlegt und der man meiner Meinung nach auch mit Pille nicht wirklich entkommen kann. (Ich kann die Pille einehmen und Sex haben. Aber erst mal muss ich dran denken die Pille zu nehmen und nehmen muss ich sie auch noch. Das ist ein Fortschritt aber kein so großer wie die meisten Frauen denken. Ein großer Fortschritt ist es dagegen für Männer. Die sind jetzt kein Arschloch mehr wenn sie mit einer Frau intim werden und die Verantworung nicht tragen wollen. Sie sind schlau.)


Am Anfang war der Trieb

Schwule Männer mokieren sich neuerdings darüber wie Frauen dazu kommen sich in ihr Männerbeziehungsproblem einzumischen. Die können das doch gar nicht beurteilen die haben schließlich keine Schwanz. Aber spielt der jetzt die größte Rolle? Dieser Unterschied der sich überhaupt erst nach der soundsovielsten Wachstumswoche des Fötus herausbildet? Nein.

potztausend
May. 3rd, 2010 08:12 pm (UTC)
Ja, ich glaube inzwischen auch, dass es verschiedene Motive für Fans (gen oder slash) gibt, das habe ich wohl bei der SH Con gelernt. Ist ja ne große Versuchung - das eigene Denken als die Norm annehmen - davon bin ich keine Ausnahme *g*.

Ah, Du hattest den gleichen Gedanken bezüglich der "Schlampe" :).

"Verantwortungsfreier Phantasieraum" - da ist was dran. Seltsam nur, dass keine von uns den vollen Namen, Straße und Hausnummer im lj postet... Die meisten Menschen (egal ob Frau oder Mann) toben sich sicher in ihren Fantasien und Tagträumen "verantwortungslos" aus, da bin ich sicher. Bei uns kommt als schöner Nebeneffekt noch die Kreativität und der Kontakt zu den sogenannten Gleichgesinnten dazu *g*.

Einmischen in Männerbeziehungsprobleme? Ich kann ja auch gebratene Eier beurteilen, ohne ein Huhn zu sein. Ich beurteile Filme, vom Dialog her, von den Bildern, und maße mir ein Urteil an, ohne dass ich selber einen Film drehen können muss.

Die emotionalen Prinzipien bei Beziehungen oder Affären sind immer die Gleichen: Liebe, Hass, Gleichgültigkeit, Trauer, Seligkeit, Verschlossenheit, Hingabe.. Das, was unterschiedlich ist, sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen - und da spielt es natürlich eine Rolle, ob man einer angepassten Heteromehrheit angehört oder nicht. Heutzutage kann man zwar ein schwuler Künstler sein, aber kein schwuler KFZ-Mechaniker (lebte nicht die norwegische oder isländische Präsidentin mit ihrer Freundin zusammen? *grübel*).
firlefanzine
May. 3rd, 2010 08:41 pm (UTC)
"Seltsam nur, dass keine von uns den vollen Namen, Straße und Hausnummer im lj postet... "
Na, lass mal! Wir liefern schon genug für ein feines, detailliertes Profil! In einer persönlichen Mail ist das was anderes, aber hier kann ja nun wirklich jede 'Nutter' gucken.
Google weiß schon alles über mich, und wahrscheinlich KGB, Stasi und CIA auch... Und Personalchefs beschäftigen Leute, die das Internet nach Infos über die Bewerber durchforsten...
Und kennst Du 'Die Drei Tage Des Condors'? Gerade ist bei denen eine rote Lampe angegangen, weil ich K**, St*** und C** gesagt habe... :-P

Wo waren wir?
Ach ja - Slash und Frauen!
potztausend
May. 3rd, 2010 08:50 pm (UTC)
Ich benutze google jetzt gar nicht mehr, sondern suche über ixquick (die werben damit, dass sie nichts speichern) - und das benutzt auch die Sprecherin vom Hamburger Chaos Computer Club. Sicher sein kann man nie, aber vielleicht etwas sicherer als bei google.

Außerdem habe ich schon mal meinen realen Namen zusammen mit potztausend geixquickt - da gibt es keine Zusammenhänge (bin ich ganz froh drüber *g*). Ich erzähle ja bei Freundinnen durchaus mal vom slash - manchen ist es schlichtweg egal, und manche sind interessiert (nicht übermäßig, aber immerhin). Aber es hat noch keine gesagt, dass ich bescheuert wäre. :)

Nee, die 3 Tage des Kondors kenne ich nur vom Namen her. Hats was mit Überwachung zu tun? *gg*
firlefanzine
May. 3rd, 2010 09:02 pm (UTC)
Seufz! Ja ich habe auch eine Zeitlang Ixquick benutzt - aber Google ist einfach besser!
Und bis jetzt kommt mein realer Name auch nur einmal vor - und da darf er.

In die drei Tage des Condors spilet Robert Redford(!) einen Literaturprofessor oder sowas, der für den Geheimdienst arbeitet, indem er den ganzen Tag nur alles mögliche 'Geschriebene' nach Bemerkungen über Geheimdienst-Belange durchforstet. Und eines Tages wird seine Dienststelle ausgelöscht, als er eben weg ist um den Lunch zu holen.
Klasse!
potztausend
May. 3rd, 2010 09:38 pm (UTC)
Oh, ich hatte laut google schon eine Begleitagentur in Hamburg, war in einem Hofstaat eines Schützenvereins und am Forschungszentrum in Karlsruhe. Möchte mal wissen, was von den drei Sachen am interessantesten ist *g*.
smirra
May. 1st, 2010 04:26 pm (UTC)
Rollensiele

Da kriegst du keinen vorderen Platz mehr ab (und ich möchte selbstverständlich einen vorderen Platz!) Also such dir mal irgendeine Aufgabe für die du vielleicht besser geeignet bist, die dich eher zufrieden stellt.
Frauen, die mit männlichem, nicht unbedingt Ehrgeiz aber Forscherdrang/Enthusiasmus ihre berufliche Aufgabe erfüllen und vielleicht auch zur Lebensaufgabe machen, während für eine andere Fraktion eben die Modezeitschrift interessanter ist als das Buch über Programmierung. Erstere behaupten sich recht gut im Beruf, sie sind unabhängig, verdienen vielleicht gut haben aber weniger Zeit für Eitelkeit.
Beobachtung: wer mit Männern über Programmierung diskutiert ist für die meisten Männer als Kollege kompetent fällt als Frau aber durch.
Ich habe durchaus die meisten Macken, die Frauen eben haben: ich bin unfähig im einparken, ich könnte ohne Probleme jeden Tag eine Tasche und ein paar Schuhe kaufen. Aber vor der Vorstellung dass das alles wäre was mich am Tag zu interessieren hätte graut mir ungemein. Ich habe das Gefühl dass das nicht allen Frauen so geht.


Ich will alles und alles hat seinen Preis, (auch Emanzipation)

Die Beliebigkeit der Gesellschaft (lichen Konventionen)
Was bleibt vom Tage übrig wenn wir allen Ballast der Verantwortung und Vernunft abwerfen und uns ganz dem kurzweiligen Spieltrieb hingeben? Wenn alles möglich aber auch alles zu befürchten ist? Wenn unser geliebter Ehemann mal eben für ein paar Jahre schwul wird und dann seinen schwulen Partner für die (nächste) glückliche Familie wieder verlässt? Werden wir dann endlich glücklich? Ich glaube nicht. In einer konventionellen Gesellschaft muss mich mein Mann ja lieben was soll er auch sonst tun?
In einer unkonventionellen Gesellschaft sind die Möglichkeiten und Freiheiten größer aber auch die Zweifel. Die Gesellschaft befreit sich an einigen Stellen von Regeln, stellt an anderer Stelle jedoch gleich wieder neue auf, denn es sollen immer nur wenige, auf keinen Fall alle einfach so dazu gehören. Rangordnung muss nach wie vor sein.


Von uns - für uns

Zweifel und Entfremdung, Identifikationsfindung und Angst vor Ablehnung, Außenseitertum sind sehr oft Thema von Slash fiction. Sie sind Themen, die viele Menschen heute betreffen und sie werden hier stärker (und manchmal auch realistischer) thematisiert als in der Unterhaltungsliteratur, die wir üblicherweise im Buchladen finden, wo sie verdrängt werden. Sie schwingen sehr oft in pros stories mit mal deutlicher mal weniger deutlich.
Slash-Leserinnen sind von dieser Blümchenliteratur gelangweilt, sie können sich mit den hier dargestellten gut gelaunten Super-Frauen nicht identifizieren, sie hat mit ihrem Leben nichts zu tun. Mit schwer zugänglicher Problemliteratur mögen sie sich den Abend aber auch nicht verderben. Was tun? Wir machen es wieder so wie früher und erzählen die Geschichten wieder selber.



Individuum und Gemeinschaft / Sinn und Sinnlichkeit

Die Männerbeziehung steht für die wahre unkonventionelle Liebe die alle Schranken der Konvention sprengt: (und diese Schranke steht da auch für die, die (heterosexuelle) Frauen erleben, die fleißigen Slash-Leserinnen; nämlich nach wie vor z. B. Standesunterschiede. Die ungelernte Putzfrau kann sich eben nur schwer einen Millionär angeln. Davon kann sie nur träumen.
Während die het fiction, die viele slasher so hassen für die alten Konventionen steht (ich sage nicht, dass das generell gerechtfertigt ist!): ich kriege eben den Traummann nicht, den kriegt die aus der reichen Familie, die besser aussieht als ich, (dieser Unmut/Eifersucht projiziert sich auf die weiblichen Darsteller, die anders als ich- der Konvention entsprechen, "normal" sind); ich krieg nur das was für mich übrig bleibt, denn jeder hält sich schön an die Spielregeln der Gesellschaft.
potztausend
May. 3rd, 2010 08:29 pm (UTC)
Eine Freundin von mir tritt als Sängerin auf. Sie ist so mein Alter (das, wo man so langsam über Hitzewellen nachdenkt *g*), und sieht optisch recht normal aus (ist auch nicht modeldünn). Bei ihren Auftritten singt so in Richtung 30er oder 40er Jahre, und zieht dabei gerne schwarze und rote Sachen an. Netzstrümpfe dabei, rote Lippen etc. Passend halt zur Musik. Und sie sagte mir, dass es wirklich verblüffend wäre, wie einfach die Männer gestrickt sind: läuft sie normal rum, gehen die Männer mit ihr normal um. Aber brezelt sie sich für ihren Auftritt auf, dann fangen die Männer an zu sabbern... Das zum Thema, wann Männer eine Frau als nette Kollegin oder als verführerische Frau wahrnehmen *g*.

Wir sind so stark geprägt von unserer Gesellschaft, dass wir meist nur ein bisschen ändern können, selbst wenn wir uns der Prägung bewusst sind. Wer sagt, dass Monogamie Pflicht ist? Es gibt genug interessante, reizvolle Menschen, warum sollte ich nicht eine Frau und einen Mann gleichzeitig lieben? Oder zwei Frauen oder Männer? Wir haben Ängste, weil so etwas fremd ist für uns (Fremdes macht oft Angst). Ich könnte mir problemlos eine sexuell völlig freie Gesellschaft vorstellen, wenn ich darin aufgewachsen wäre.

Slash kann saugut geschrieben sein oder ödes Blümchenzeugs, ich kenne beides.

Mein Thema beim slash ist die Vereinigung von Gegensätzen, das sich Lieben trotz aller Unterschiede und aller Ängste, aller Rollenerwartungen. Nichts ist so schön wie eine saugut geschriebene firsttimestory - mit dem Übergang von festen Rollen zum Aufbruch, vom Starkseinmüssen zur Hingabe und zurück.

Das was reizt beim Lesen, ist eben nicht die altbekannte Heterovariante, die haben die meisten Leserinnnen chipsessend und träge neben sich auf der Couch sitzen. Der Reiz ist der Tabubruch, das "Sprengen der Schranken", wie Du es nennst. Irgendwo im lj las ich übrigens den Beitrag einer Lesbe, die auch slash liest... das hatte ich allerdings nicht verstanden - es wird doch für eine Lesbe reizlos sein, von männlicher Sexualität zu lesen. Das interessiert doch nur Hetero- oder Bifrauen. Denke ich.
smirra
May. 1st, 2010 04:26 pm (UTC)

Was es euch gefällt - Identifikation und Bewunderung

Bei slash sind viele Phantasien und Denkmodelle möglich, ich kann mich als emanzipierte Frau mit den Aufgaben und Problemen des (männlichen Haupthelden) identifizieren, (der mehr mit meiner (und sei es nur Wunsch-) Welt gemeinsam hat als das übliche Frauenbild) UND er (oder aber sein Partner) kann gleichzeitig auch mein Traumpartner/projektion sein, so wie's mir gerade gefällt.



Welten dazwischen

Für mich persönlich gibt es DIE Bodie & Doyle Welt gar nicht. Wenn alles unverrückbar feststeht, braucht man keine Geschichte/Fiction, in der man Dinge reflektiert. Jeder Schreiber der einen dichten Charakter schreibt, kreiert seinen eigenen Bodie & Doyle; wohl nach den Richtlinien die die Vorlage und der "Canon der Fandom" vorgibt, aber dennoch leicht verschieden mit den Schwerpunkten die den Autor am Charakter besonders interessieren, mit denen er selber am meisten Erfahrung gemacht hat und deshalb kompetent darüber schreiben kann, oder mit den Botschaften oder Stimmungen, die er rüberbringen möchte. Ich denke oft wenn mir eine Geschichte gefällt: 'Oh ha, das ist ja mal ein ganz interessanter Bodie. Der Bodie den Myrebelcat schreibt ist nicht der selbe und würde nicht das selbe tun wie der von Helenraven's 'Heat Trace'. Trotzdem sind beide Autoren für Ihre stories hoch beachtet. Ich finde diese leichten oder auch gewaltigen Abweichungen, (wenn man an 'Heat Trace' denkt) interessant, sie machen es eigentlich erst richtig spannend und steigern die Vorfreude auf jede neue "Werk". Wie wird denn diese Variante des ewig-gleichen Themas wohl aussehen? (Wie sie verläuft ist klar: wir möchten ein Happy End, nicht immer allerdings bekommen wir es. Z. B. bei MFaeGlasgow's äußerst bitterer Story "Call of Nature") Denn würde man rein plot-bezogen lesen, dann gleichen sich viele Inhalte wie einem Ei dem andern, besonders bei pros.

Ich betrachte das Treiben Fanfiction so gelassen wie möglich, ich sehe es nicht so gezwungen und regelbelastet wie offenbar einige Mitglieder/Leser/Schreiber. Mich interessiert so einiges weniger, aber vor allem: Mit welchem Charakter kann man eine Geschichte erzählen die mich interessiert? Wie kann die zustande kommen? Welche fandom bietet die geeigneten Charaktere, Kostellationen, Probleme, Regeln, Inventar?
potztausend
May. 3rd, 2010 08:43 pm (UTC)
Ich denke auch, die die B+D in den stories unterschiedlich sind, und auch oft genug ganz schön von den Episoden abweichen. Wenn etwas richtig gut geschrieben ist, stört mich das überhaupt nicht, sondern zieht mich komplett rein in die story.
Call of Nature war ne echte Katastrophe - so bitter, kalt und unbarmherzig. Ich habe es nur einmal gelesen, weil ich es öfter nicht ertragen hätte - und das heißt, dass es verdammt gut geschrieben ist, weil es mich gepackt hatte.

Und das ist ja auch der Unterschied zwischen den guten und schlechten Geschichten - die Themen sind begrenzt. Aber die Art und Weise, Gefühle zu beschreiben, greifbar zu machen beim Lesen, ohne sie bis ins Kleinste auszuformulieren, Andeuten zu schreiben, die sich im Kopf der Leserin zu Zusammenhängen verbinden - das ist eine Meisterschaft.

Ich bin ja nicht ausschließlich auf PROs aus. Angefangen habe ich mit SH, extrem viel gelesen, und kam auf PROs Videos, weil ich dachte, die würde ich besser verstehen *g*. Als ich gemerkt habe, dass die auch nuscheln, war es schon zu spät und ich hatte schon angefangen, zu lesen *g*. Und "I Spy" (= Tennisschläger und Kanonen") habe ich früher mal gesehen, und hatte auch damals schon meine slashigen Gedanken... deswegen mal in meinen drei Antworten ein wenig von den I Spy Kerlen :).

P.S. verdorri, das Foto hatte ich ja schon :) Ich ändere es mal.

Edited at 2010-05-03 08:45 pm (UTC)
smirra
May. 1st, 2010 08:30 pm (UTC)
Mutig den text auf der Con zu lesen. Ich weiß nicht ob ich mich das trauen würde.
Ich war auch noch auf keiner Con, ich hab auch gar keine Ahnung wo/wann in Duetschland welche stattfinden.
potztausend
May. 2nd, 2010 04:16 pm (UTC)
Enednoviel hatte die SH Con organisiert. Ich lese ja immer noch SH, aber derzeit mehr PROs, weil es da (meiner Meinung nach) im Schnitt intensivere Geschichten gibt.

Ich fände die Idee einer deutschen PRO-Con übrigens gut :). Ich habe ja bei SH schon immer nach Deutschen gesucht, und hier bei den PROs sind auf meiner "Freundesliste" schon 7 Deutsche.

Bei dem Text hatte ich vorgewarnt - wir trafen uns ab Freitag, und ich dachte, da mehrere von uns sich nicht kannten, dass ich eh bis Samstag warte. Und hatte auch gesagt, dass es ein sehr ernsthafter Text ist. Die Diskussion war etwas zäh, manche waren lebhaft dabei, andere komplett still. Allerdings denke ich inzwischen auch, dass sich manche für dieses Thema gar nicht interessieren, sondern einfach nur Fans sein wollen. Ich glaube, dass ich anfangs zu sehr davon ausgegangen bin, dass alle in meine Richtung denken - aber man lernt ja auch noch im höheren Alter dazu :).
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